"Nie mehr bei der Polizei beschweren"? Der Fall Siegel 1933
Shownotes
„Nie mehr bei der Polizei beschweren“?
Im März 1933 sucht der jüdische Rechtsanwalt Dr. Michael Siegel das Münchener Polizeipräsidium auf, um sich im Namen seines ebenfalls jüdischen Mandanten zu beschweren und seine Entlassung aus der Schutzhaft zu erwirken – und wird stattdessen von Polizeibeamten misshandelt und öffentlich gedemütigt.
Die Folge nimmt das berühmte Foto seines „Prangermarschs“ zum Ausgangspunkt und fragt: Was erzählt uns diese Szene über die Gesellschaft in einer Zeit radikaler politischer Umbrüche? Wie ist es möglich, dass eine solche Gewalt öffentlich stattfindet? Und was zeigt der Fall über die Rolle der Polizei zu Beginn des Nationalsozialismus?
Deutlich wird: Der Fall Siegel macht sichtbar, wie schnell sich die Grenzen dessen verschieben können, was in einer Gesellschaft als legitim und rechtens gilt – und welchen Einfluss die Polizei darauf haben kann.
Weiterführende Literatur
Michael C. Binert, Lars Lüdicke (Hrsg.) (2020): Preußen zwischen Demokratie und Diktatur. Die Durchsetzung der NS-Herrschaft in den Zentren und der Peripherie, 1932-1934, Berlin: Be.bra Wissenschaft Verlag.
Longerich, Peter (2007): "Davon haben wir nichts gewusst!". Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933-1945, 4. Aufl., München: Pantheon.
Schuhmacher, Martin (2021): Ausgebürgert unter dem Hakenkreuz. Rassisch und politisch verfolgte Rechtsanwälte, Münster: Aschendorff.
Impressum:
"Fragen an die Polizeigeschichte" ist ein Projekt des Fachgebiets "Polizeigeschichte und Politische Bildung" der Deutschen Hochschule der Polizei.
Konzept, Redaktion und Texte: Gundula Gahlen, Doris Kock und Pauline van Moll. Sprecherin und Produktion: Pauline van Moll
Wir freuen uns über Kommentare, Themenvorschläge und Anregungen! Kontakt: E-Mail: podcast.polizeigeschichte@dhpol.de Tel. +49 2501 806-684
Datenschutzerklärung: https://www.dhpol.de/datenschutz.php
Transkript anzeigen
00:00:01: Willkommen zu Fragen an die Polizeigeschichte.
00:00:11: In dieser Reihe gehen wir spannenden und manchmal auch unbequem Fragen zur Geschichte der Polizei nach.
00:00:17: Wir schauen zurück, um besser zu verstehen was staatliche Verantwortung, Recht und Ordnung damals und heute bedeuten.
00:00:32: In dieser Folge steht ein Foto aus dem Frühjahr 1933 im Mittelpunkt. Genauer gesagt, ein Bild, dass sich tief in das historische Gedächtnis eingeschrieben hat und dass bis heute zu den bekanntesten Fotografien der frühen nationalsozialistischen Gewalt gehört.
00:00:41: Es zeigt den jüdischen Rechtsanwalt Dr.
00:00:43: Michael Siegel, barfuß, misshandelt mit einem Schild um den Hals geführt durch die Münchner Innenstadt.
00:00:51: Schon kurz nach dem Ereignis verbreitete sich diese Aufnahme international. In Deutschland selbst wurde sie hingegen nicht veröffentlicht.
00:00:59: Wir schauen uns dieses Foto heute genauer an und fragen uns:
00:01:03: Was erzählt uns dieses Bild über die Gesellschaft in einer Zeit, in der sich der politische und rechtliche Rahmen in wenigen Wochen radikal verändert?
00:01:11: Wie ist es möglich dass eine solche Szene öffentlich stattfindet vor den Augen zahlreicher Passanten?
00:01:17: Und was lässt sich an diesem Fall über die Rolle der Polizei zu Beginn des Nationalsozialismus sagen und über die Verschiebung dessen was in einer Gesellschaft überhaupt noch als normal gilt?
00:01:27: Wenn man sich das Foto einmal ganz genau anschaut, dann sieht man einen Mann namens Michael Siegel der Barfuß über eine Straße geführt wird.
00:01:35: Seine Kleidung ist zerrissen die Hosenbeine sind abgeschnitten sein Körper trägt deutliche Spuren der Misshandlung die kurz zuvor stattgefunden hat.
00:01:44: Um seinen Hals hängt ein Schild.
00:01:46: Die Aufschrift ist auf den bekannten Aufnahmen nicht in jeder Version gleich gut lesbar und in späteren Überlieferungen kursieren mehrere Varianten.
00:01:54: Die wohl bekannteste lautet allerdings "Ich werde mich nie mehr bei der Polizei beschweren."
00:02:00: Andere Fassung machen die antisemitische Markierung noch expliziter.
00:02:04: Dass es diese Varianten gibt, hängt damit zusammen dass die Beschriftung auf den original negativen nur schwach zu erkennen war und teils nachträglich retuschiert oder ergänzt wurde.
00:02:13: Gerade das zeigt wie stark diese Aufnahme schon früh als Symbolbild gelesen und weiter bearbeitet wurde.
00:02:20: Außerdem lassen sich auf diesem Foto neben Siegel laufender als Hilfspolizei auftretende SS-Männer ausmachen.
00:02:26: Sie sind nicht einfach zufällig im Bild, sondern strukturieren die Szene.
00:02:30: Sie kontrollieren den Ablauf markierenden Rahmen in dem sich diese öffentliche Demütigung vollzieht und stellen sicher dass der Weg durch die Stadt fortgesetzt wird.
00:02:38: Im Hintergrund sieht man außerdem Passanten. Einige bleiben stehen einige schauen zu Niemand greift ein.
00:02:46: Das Bild zeigt also nicht nur das Opfer und die Täter Sondern auch ein Publikum. Und gerade dadurch wird es historisch so aufschlussreich.
00:02:54: Es hält nicht nur einen Gewaltakt fest, sondern eine Konstellation aus Gewalt, staatlicher Autorität und öffentlicher Beobachtung.
00:03:02: Um genauer zu verstehen was dieses Foto erzählt muss man bei Michael Siegel selbst beginnen!
00:03:07: Er ist ein angesehener jüdischer Rechtsanwalt in München – er ist Weltkriegsveteran und "ganz normaler" Teil der städtischen Gesellschaft.
00:03:15: Denn seit der Gründung des Kaiserreis 1871 hatten Jüdinnen und Juden formal juristisch die gleichen Rechte wie die christliche Mehrheitsgesellschaft.
00:03:23: Sie waren Bürgerinnen und Bürger des Deutschen Reichs.
00:03:26: Gleichzeitig nahmen der Antisemitismus seit der Jahrhundertwende spürbar zu, doch diese Antisemitismus hatte zumindest noch keine rechtlichen Konsequenzen.
00:03:36: Und genau das ist wichtig!
00:03:38: Denn Siegels Handeln an diesem zehnten März 1933, an dem das Foto hier entsteht ergibt sich aus einem Selbstverständnis, das an die Institution des Rechtsstaats gebunden ist.
00:03:48: Siegel glaubt an Verfahren, an die Geltung des Rechts und an die Polizei als eine Institution, an die man sich wendet wenn Unrecht geschieht.
00:03:57: In gewisser Weise ist er sogar selbst Teil dieses Systems – kein Polizist aber doch ein Akteur der rechtsstaatlichen Ordnung, jemand, der professionell mit Recht arbeitet und darauf vertraut dass staatliche Verfahren eine Schutzfunktion haben.
00:04:10: Als er also am 10. März 1933 das Münchner Polizeipräsidium aufsucht, tut er genau das was unter rechtsstaatlichen Bedingungen erwartbar und legitim wäre.
00:04:20: Er interveniert im Auftrag eines ebenfalls jüdischen Mandanten der am Abend zuvor in sogenannte Schutzhaft genommen wurde – soweit die Ausgangssituation!
00:04:29: Bevor wir aber auf das eingehen, was nun im Polizeipräsidium in München als Nächstes passieren wird, müssen wir an dieser Stelle den historischem Moment mitdenken….
00:04:38: Denn zwischen Ende Januar und Mitte März 1933 wurde die Parlamentarische Demokratische Ordnung der Weimarer Republik in dramatischer Geschwindigkeit außer Kraft gesetzt.
00:04:48: Hitler war am dreißigsten Januar, im Jahr 1933 zum Reichskanzler ernannt worden und der Reichstagsbrand am siebenundzwanzigsten Februar bot der NS-Führung dann den Vorwand mit der Reichstagsbrandverordnung zentrale Grundrechte abzuschaffen – etwa die Meinungs- und Pressefreiheit sowie den Schutz vor willkürlichen Verhaftungen.
00:05:07: Damit entstand die Grundlage für ein System, in dem Willkür nicht nur geduldet sondern zum Instrument politischen Handelns wurde.
00:05:15: Für München kommt noch hinzu dass sich die Lage am neunten März also einen Tag bevor das Foto hier entsteht unmittelbar zuspitzt.
00:05:23: Nach der bereits unfreien Reichstagswahl vom fünften März aus der die NSDAP als stärkste Kraft hervorgeht gehen die Nationalsozialisten daran ihre Macht auch vor Ort durchzusetzen.
00:05:34: München ist für die Nationalsozialisten ein zentraler Ort ihrer politischen Bewegung.
00:05:39: Hier liegen ihre frühen, organisatorischen und ideologischen Wurzeln.
00:05:43: Entsprechend schnell und demonstrativ gehen sie hier vor!
00:05:46: Öffentliche Aufmärsche- und Hetzreden prägen am neunten März das Münchner Stadtbild und schlagen auch in offene Gewalt um.
00:05:53: Heinrich Himmler wird am gleichen Tag zum Kommissarischen Polizeipräsidenten in München ernannt.
00:05:58: Damit beginnt die direkte nationalsozialistische Kontrolle über den Polizeiapparat.
00:06:04: SA und SS werden bewaffnet und der regulären Polizei als Hilfspolizei zur Seite gestellt.
00:06:10: Wer übrigens noch mehr zu Hilfspolizei erfahren möchte, kann sich die erste Folge dieses Podcasts anhören – da gehen wir genau auf das Thema ein!
00:06:17: Neben der Einbindung neuer Gewaltakteure verschieben sich auch die inneren Maßstäbe der Polizei selbst.
00:06:23: Politische Gewalt-, Verfolgung- und Verhaftungen ohne rechtsstaatliche Bindungen werden aktiv angeordnet.
00:06:29: In der Nacht vom neunten auf den zehnten März kommt es zu polizeilichen Hausdurchsuchungen, Übergriffen und Verhaftungen von Juden und Jüdinnen und politischen GegnerInnen.
00:06:40: Als Michael Siege also am zehten März das Polizeipräsidium betritt, wendet er sich nicht mehr an die Institution, die aus der Weimarer Republik kennt sondern an eine Behörde deren Funktionslogik sich in dieser Zeit in rasanter Geschwindigkeit verändert.
00:06:55: Im Präsidium hören ihn die diensthabende Polizeibeamten nicht an.
00:06:58: Sie übergeben ihn stattdessen an SS-Hilfspolizisten, die Siegel schwer körperlich misshandeln, demütigen und anschließend zwingen das Gebäude wieder zu verlassen.
00:07:08: Allerdings nicht mehr als "normaler" Bürger sondern als Opfer einer Gewaltinszenierung.
00:07:13: Dass diese Gewalt gerade ihn trifft geschieht dabei nicht zufällig – sie richtet sich gegen ihn als Juden und zugleich gegen das wofür er steht also gegen den Anspruch dass auch für jüdische Bürgerinnen noch dieselben rechtstaatlichen Schutzversprechen gelten.
00:07:29: Was nach der Misshandlung im Polizeipräsidium folgt, ist deshalb so wichtig weil die Gewalt gerade nicht im Inneren des Gebäudes bleibt.
00:07:36: Sie wird nach außen getragen und öffentlich sichtbar gemacht.
00:07:40: Siegel wird gezwungen Barfuß und mit dem Schild um den Hals durch zentrale Teile der Münchner Innenstadt zu laufen.
00:07:46: Diese Maßnahme ist keine bloße Folge der vorherigen Misshandlungen sondern Teil ihres Sinns!
00:07:51: Denn hier geht es nicht nur darum ein einzelne Menschen zu erniedrigen.
00:07:55: Es geht darum, diese Erniedrigung vor Publikum zu vollziehen.
00:08:00: Und das ist der entscheidende Punkt!
00:08:02: Der Prangermarsch ist keine private Gewalt sondern eine kommunikative Handlung.
00:08:07: Er richtet sich an Siegel, ja, aber eben nicht nur an ihn.
00:08:11: Er richtet sich alle die ihn sehen.
00:08:14: Die Botschaft lautet dass bestimmte Menschen – Juden und Jüdinnen politische GegnerInnen all jene die aus der Perspektive den Nationalsozialisten nicht zur neuen "Volksgemeinschaft" gehören nicht mehr mit dem Schutz des Staates rechnen können.
00:08:28: Diese öffentliche Demütigung markiert also einen Ausschluss, aber auf dem Foto sehen wir nicht nur eine Ordnungsmacht und das Opfer – wir sehen auch die Zivilgesellschaft!
00:08:38: In der Forschung spricht man in diesem Fall von Bystandern, also von Menschen, die Gewalt beobachten ohne selbst aktiv einzugreifen.
00:08:45: Diese Position wirkt auf den ersten Blick passiv.
00:08:48: Das ist sie aber nur bedingt, denn das Verhalten der Beobachtenden ist sozial wirksam. Es signalisiert, ob eine Situation bestritten unterbrochen oder im Gegenteil hingenommen wird.
00:08:59: Und genau hier kommt der Polizei eine zentrale Bedeutung zu.
00:09:03: Die Polizei ist im Alltag die sichtbarste Form staatlicher Ordnung.
00:09:08: Sie verkörpert für viele Menschen den Maßstab dafür was erlaubt ist und was nicht Wo eine Grenze verläuft und wo nicht.
00:09:16: Wenn die Polizei eingreift markiert sie Unrecht.
00:09:19: wenn sie nicht eingreifen Oder selbst Teil des Geschehens ist wie in diesem Fall verschiebt sich dieser Maßstab.
00:09:26: Dann wird das, was vorher als Unrecht gegolten hätte, plötzlich als möglich und legitim wahrgenommen.
00:09:32: Und was als möglich und legitim erscheint kann sehr schnell auch normal werden.
00:09:38: Dieser Prozess verläuft aber nicht nur in eine Richtung – ja, die Polizei prägt das Verhalten der Bystander!
00:09:43: Aber die Reaktionen der Bystander wirken auch zurück.
00:09:47: Wenn die Öffentlichkeit nicht eingreift, wenn sie die Szene hinnimmt und mit Spott oder Gelächter reagiert oder einfach weitergeht stabilisiert sich genau die Ordnung, die von den Tätern gerade vorgeführt wird.
00:09:59: So entsteht ein Kreislauf.
00:10:01: Staatliches Täterhandeln setzt einen Maßstab – Die Öffentlichheit übernimmt oder bestätigt ihn Und diese Bestältigung wiederum ermutlicht weitere Gewalt.
00:10:10: An genau solchen Stellen können sich Situationen sehr schnell radikalisieren Und wir dürfen nicht vergessen, die Misshandlung Siegels am zehnten März 1933 geschieht nicht aus dem Nichts.
00:10:21: Sie trifft auf eine Gesellschaft in der verschiedene Feindbilder bereits seit längerem vorhanden sind.
00:10:27: Besonders wirksam sind der weitverbreitete Antikommunismus und der Antisemitismus – die jedoch unterschiedlich funktionieren.
00:10:35: Der Antikkommunismus speist sich aus konkreten politischen Konflikten.
00:10:39: Die Angst vor einem revolutionären Umstrutz nach sowjetischem Vorbild prägt große Teile der Gesellschaft.
00:10:45: Das hohe Ausmaß an Gewalt bei linken Aufständen von 1918 bis 1923 sowie die heftigen Straßenkämpfe zwischen linken und rechten Gruppen in den letzten Jahren der Weimarer Republik verstärken diese Wahrnehmung zusätzlich.
00:10:58: Der Antisemitismus folgt einer anderen Logik, er richtet sich nicht gegen politisches Handeln sondern gegen Menschen aufgrund ihrer zugeschriebenen Zugehörigkeit.
00:11:08: Jüdinnen und Juden waren, wie gesagt seit 1871 rechtlich gleichgestellt.
00:11:13: Dennoch werden sie nach wie vor mit Vorurteilen, Stereotypen oder Feindbildern belegt – seit der Jahrhundertwende mit steigender Tendenz.
00:11:21: Diese weitverbreiteten Feind Bilder in der deutschen Gesellschaft schaffen einen Nährboden auf dem kommunismusfeindliche und judenfeindlichen Maßnahmen der Nationalsozialisten vielerorts toleriert und in Teilen sogar gutgeheißen wurden.
00:11:35: Genau das lässt sich am Fall Siegel beobachten!
00:11:38: Noch kurz vorher konnte er als Bürger rechtsanwalt und Teil der Gesellschaft auftreten, der selbstverständlich davon ausgeht bei der Polizei Rechtsschutz einfordern zu können.
00:11:47: In unserem Foto erscheint er dagegen, als jemand für den anderen Regeln gelten – nicht mehr an der Bürger der Schutz beansprucht sondern der gedemütigte, der öffentlich aus der Gemeinschaft heraus markiert wird.
00:12:00: Gerade in dieser alltäglichen Erfahrbarkeit wird das antisemitische Weltbild des Regimes sozial wirksam.
00:12:06: Es bleibt nicht abstrakte Propaganda, sondern übersetzt sich in gelebter Praxis.
00:12:13: Um die Geschichte von Michael Siegel zu Ende zu erzählen, hier der Hinweis, dass er die Misshandlungen überlebt und ihm tatsächlich 1940 die Flucht aus Deutschland gelingt.
00:12:21: Über Russland und Japan fliehte nach Peru, wo er sich ein neues Leben aufbaut.
00:12:26: Er lebt dort bis zu seinem Tod im Jahr 1979.
00:12:30: Seine Flucht steht für eine Möglichkeit, die für viele Jüdinnen und Juden in den ersten Jahren des Nationalsozialismus noch besteht.
00:12:37: Mit Kriegsbeginn jedoch wird die Immigration immer stärker eingeschränkt und schließlich nahezu unmöglich.
00:12:43: Für diejenigen, die nicht immigrieren können verschärft sich die Verfolgung weiter bis hin zur systematischen Deportation und Ermordungen im Holocaust.
00:12:54: Wenn wir nun zum Schluss noch einmal auf das Foto von Michael Siegel zurückblicken wird deutlich dass wir hier einen sehr frühen Moment dieser Entwicklung sehen Und einen Moment in dem sich Polizei und Gesellschaft in Deutschland bereits grundlegend verändert haben.
00:13:08: Das Bild verweist auf die Transformation der Polizei nach nur sechs Wochen des NS-Regimes.
00:13:13: Von einer rechtswahrenden Institution zu einem Instrument nationalsozialistischer Gewaltpolitik und zu einer Institution, die öffentlich deutlich macht, dass ihr Schutzversprechen ab sofort nur noch für bestimmte Gruppen gilt – und für andere nicht mehr!
00:13:29: Und es verweist auf eine Gesellschaft in der Antisemitismus und politische Gewalt bereits soweit normal geworden sind, dass die öffentliche Demütigung eines jüdischen Mitbürgers ohne Widerstand möglich ist.
00:13:43: Und nicht zuletzt macht das Foto von Michael Siegel deutlich welche besondere Verantwortung der Polizei damals wie heute zukommt.
00:13:50: Polizeiliche Gewalt ist für die Betroffenen gravierend und sie wirkt dazu weit über die konkrete Situation hinaus.
00:13:58: Denn gerade dort wo die Polizei Gewalt öffentlich ausübt Bestimmt sie den Maßstab dessen, was in einer Gesellschaft als rechtens- und legitim erscheint.
00:14:33: Vielen Dank fürs Zuhören.
Neuer Kommentar