Die Polizei - Deine Freundin und Helferin?

Shownotes

Dieser Beitrag nimmt am Wettbewerb Fast Forward Science 2026 teil! www.fastforwardscience.de

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FFS

Ist die Polizei eigentlich ein Männerberuf?

Viele würden heute antworten: Nicht mehr.

Frauen arbeiten inzwischen in Deutschland in allen Bereichen der Polizei. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt: ihr Weg dorthin war alles andere als einfach.

Diese Folge zeichnet die bewegte Geschichte von Frauen in der Polizei seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts nach und fragt:

Wie prägten Geschlechtervorstellungen die ersten Einsatzbereiche für Frauen in der Polizeiarbeit? Wie veränderte sich die Rolle von Polizistinnen in der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus und nach 1945? Und was bedeutet diese Geschichte für Gleichberechtigung in der Polizei heute?

Klar wird: Die Integration von Frauen in die Polizei ist eine Geschichte von gesamtgesellschaftlichen und innerpolizeilichen Auseinandersetzungen und Widerständen – und von starken Frauen, die sich davon nicht haben aufhalten lassen.


Weiterführende Literatur

Arendt, Henriettte (1910):_ Erlebnisse einer Polizeiassistentin_. München: Süddeutsche Monatshefte.

Barthel, Christian & Puglisi, Claudia (Hrsg.) (2022): Sexualität und Macht in der Polizei. Eine multiperspektivische Fallanalyse, Wiesbaden: Springer Fachmedien.

Blum, Bettina (2012): Polizistinnen im geteilten Deutschland. Geschlechterdifferenz im staatlichen Gewaltmonopol vom Kriegsende bis in die siebziger Jahre, Essen: Klartext-Verlag.

Nienhaus, Ursula (1999):_ "Nicht für eine Führungsposition geeignet…": Josephine Erkens und die Anfänge der weiblichen Polizei in Deutschland 1923 – 1933_. Münster: Westfälisches Dampfboot.

Deutsche Hochschule der Polizei. Universität der Polizeien des Bundes und der Länder (2024) Motivation, Einstellung und Gewalt im Alltag von Polizeivollzugsbeamten

Antidiskriminierungsstelle des Bundes / Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (2025). Polizei und Diskriminierung. Risiken, Forschungslücken, Handlungsempfehlungen:

Gesellschaft für Freiheitssrechte (2025) Sexismus, Rassismus und fehlendes Vertrauen in Meldestellen: GFF veröffentlicht erste qualitative Studie zu Whistleblowing in der Polizei in Deutschland


Impressum:

"Fragen an die Polizeigeschichte" ist ein Projekt des Fachgebiets "Polizeigeschichte und Politische Bildung" der Deutschen Hochschule der Polizei.

Konzept, Redaktion und Texte: Gundula Gahlen, Doris Kock und Pauline van Moll. Sprecherin und Produktion: Pauline van Moll

Wir freuen uns über Kommentare, Themenvorschläge und Anregungen! Kontakt: E-Mail: podcast.polizeigeschichte@dhpol.de Tel. +49 2501 806-684

Datenschutzerklärung: https://www.dhpol.de/datenschutz.php

Transkript anzeigen

00:00:01: Willkommen zu Fragen an die Polizeigeschichte.

00:00:09: In dieser Reihe gehen wir spannenden und manchmal auch unbequem Fragen zur Geschichte der Polizei nach.

00:00:15: Wir schauen zurück, um besser zu verstehen was staatliche Verantwortung Recht und Ordnung damals und heute bedeuten.

00:00:23: Heute geht es um eine Frage, die erst einmal ganz einfach klingt Ist die Polizei eigentlich ein Männerberuf?

00:00:29: Viele würden wahrscheinlich spontan sagen nicht mehr.

00:00:33: Frauen gehören heute ganz selbstverständlich zur Polizei.

00:00:36: Sie fahren Streife, leiten Einsätze und führen Dienststellen.

00:00:40: Und trotzdem lohnt sich diese Frage!

00:00:43: Denn wenn wir in die Geschichte schauen, merken wir schnell – Die Polizei war über lange Zeit eine fast ausschließlich männliche Institution geprägt durch Vorstellungen von körperlicher Stärke, Disziplin, Kameradschaft und der Fähigkeit um Zweifel auch Gewalt durchzusetzen.

00:00:58: Und als Frauen schließlich zur Polizei kamen, geschah das nicht unbedingt aus dem Grund, den man vielleicht erwarten würde.

00:01:04: Sie wurden nämlich nicht eingestellt, obwohl es feste Geschlechterrollen gab, sondern gerade wegen dieser Rollen.

00:01:11: Wer sich für Polizeigeschicht interessiert, kennt vielleicht die Serie Babylon Berlin.

00:01:15: Darin arbeitet die Figur Charlotte Ritter als Ermittlerin bei der Berliner Polizei der neunzehnhundertzwanziger Jahre.

00:01:21: Sie durchsucht Tatorte, verhört Verdächtige und arbeitet Seite an Seite mit ihrem Kollegen Gereon Rath.

00:01:28: Das wirkt modern und fast so, als seien Frauen damals schon selbstverständlich Teil kriminalpolizeilicher Ermittlungen gewesen.

00:01:35: Historisch gesehen stimmt das allerdings nur bedingt.

00:01:38: Frauen arbeiteten tatsächlich schon in den zwanziger Jahren bei der Polizei aber ihre Aufgaben sahen ganz anders aus als in der Serie.

00:01:45: Und genau hier beginnt unsere Geschichte.

00:01:48: Gehen wir einmal zurück ins frühe zwanzigste Jahrhundert.

00:01:51: In Stuttgart beginnt eine Frau namens Henriette Arendt für die Polizei zu arbeiten – übrigens Falls der Name Arendt bekannt vorkommt, ist das kein Wunder.

00:02:00: Denn Henriette Arend war die Tante der berühmten politischen Theoretikerin Hannah Arendt.

00:02:05: Henriette Arend gilt als die erste Frau im Polizeidienst in Deutschland und diese erste Stelle erzählt eigentlich schon sehr viel darüber wie man sich Frauen bei der Polizei damals im Kaiserreich vorstellt.

00:02:16: Arend wurde nämlich nicht als reguläre Polizeibeamtin eingestellt sondern als Polizeiassistentin.

00:02:22: Den männlichen Kollegen war sie ausdrücklich nicht gleichgestellt.

00:02:25: Sie trug Schwesterntracht statt Uniform und im Polizeialltag nannte man sie deshalb Polizeischwester Hennie.

00:02:32: Ihre Hauptaufgabe bestand darin, bei den ärztlichen Untersuchungen von prostituierten und sogenannten sittlich gefährdeten Frauen anwesend zu sein, die der Stuttgarter Polizei vorgeführt wurden. Dahinter stand ein sehr konkretes Problem.

00:02:45: Nach damaligem Recht konnten Frauen, die allein auf der Straße unterwegs waren bei bloßem Verdacht auf Prostitution festgenommen und amtsärztlich untersucht werden – und dabei gerieten leider auch oft unbeteiligte Frauen ins visier.

00:02:58: Die Anwesenheit einer Frau sollte hier Übergriffe verhindern oder zumindest die Kritik daran abfedern.

00:03:04: Arendt arbeitete also von Anfang an in einem Feld das irgendwo zwischen Kontrolle, Fürsorge- und Moralpolitik lag.

00:03:11: Gleichzeitig war sie mehr als nur eine stille Helferin im Hintergrund.

00:03:15: Sie engagierte sich stark für die Verbesserung der Situation von Prostituierten, recherchierte zum Kinderhandel, hielt Vorträge zur Kinderfürsorge und kritisierte offen den oft menschenverachtenden Umgang von Polizisten mit Frauen.

00:03:28: Genau das brachte sie zunehmend in Konflikt mit Vorgesetzten, Kollegen und auch Wohlfahrtsfunktionärinnen.

00:03:34: Gegen sie wurden Vorwürfe erhoben – sie verletzte Dienstvorschriften sei "taktlos" und eine "Nestbeschmutzerin".

00:03:38: In den letzten Jahren schied sie nach nur fünf Jahren aus dem Polizeidienst aus.

00:03:45: Zwei Jahre später veröffentlichte sie ihre "Erlebnisse einer Polizeiassistentin", ein Buch das in Deutschland einen Skandal auslöste weil es interne Zustände offen kritisierte und sogar Namen nannte.

00:03:58: Wenn man sich diese Geschichte anschaut könnte man jetzt denken also gab's ja schon um 1900 Polizistinnen.

00:04:03: damit war der Weg in den Polizeiberuf ja eigentlich schon geöffnet aber so einfach war es nicht.

00:04:09: Henriette Arendt und die wenigen anderen Frauen in ihrer Position blieben zunächst Ausnahmen.

00:04:14: Einzelne Frauen, die in ganz bestimmten Bereichen eingesetzt wurden – meist dort wo es um Frauen, Jugendliche oder sogenannte Sittlichkeitsdelikte ging.

00:04:22: Trotzdem machten ihre Erfahrungen etwas sichtbar.

00:04:25: Es gab Aufgaben der Polizeiarbeit von denen man glaubte sie seien besonders für Frauen geeignet. Und genau aus dieser Beobachtung entwickelte sich in den neunzehnhundertzwanziger Jahren eine größere Idee.

00:04:36: Nach dem Ersten Weltkrieg begannen Polizeireformen an Deutschland über eine neue, moderne Polizei nachzudenken.

00:04:43: Eine Polizei die nicht nur Straftaten verfolgt und Ordnung durchsetzt sondern eine Polizei die auch vorbeugt, schützt und hilft!

00:04:49: Ganz im Sinne des damals neuen Leitbildes das wir heute noch so gut kennen – die Polizei dein Freund und Helfer.

00:04:57: Und in diesem neuen Polizeiverständnis bekam plötzlich auch die Frage nach Frauen in der Polizei eine andere Bedeutung Denn viele Reformdenker gingen davon aus, dass Männer und Frauen unterschiedliche Fähigkeiten in die Polizeiarbeit einbringen könnten.

00:05:10: Männer galten als durchsetzungsstark und autoritär – Frauen dagegen als besonders geeignet für soziale Aufgaben, als fürsorglich einfühlsam und moralisch sensibel.

00:05:20: Die Polizei der Zukunft, so die Vorstellung sollte deshalb beides verbinden!

00:05:25: Eine Polizei mit männlichen und weiblichen Kräften nicht als Konkurrenz sondern als Ergänzung.

00:05:31: Aus dieser Idee entsteht schließlich eine Organisation innerhalb der Polizei, die weibliche Kriminalpolizei kurz WKP.

00:05:39: Sie wird in Deutschland Ende der neunzehnhundertzwanziger Jahre aufgebaut und ihre Aufgaben sind klar definiert.

00:05:45: Polizistinnen kümmern sich vor allem um Jugendliche, Familien, Frauen, Fürsorgefälle und Prostituierte.

00:05:51: Sie vernehmen junge Zeuginnen, betreuen gefährdete Jugendliche und arbeiten mit sozialen Einrichtungen zusammen.

00:05:58: Das klingt jetzt erst mal fortschrittlich und das war es auch, definitiv.

00:06:01: Denn tatsächlich war die WKP in vieler Hinsicht ein sehr modernes Projekt.

00:06:05: Sie sollte zeigen dass Polizei mehr sein kann als nur Ausübung von staatlicher Gewalt. Aber gleichzeitig gab's auch Widerstand.

00:06:13: Viele männliche Polizeibeamte sahen die neue Entwicklung sehr kritisch.

00:06:17: Ein häufiger Einwand lautete zum Beispiel dass die wkp dem männlichen Kriminalbarten Konkurrenz machen würde vor allem den Beamten des mittleren und gehobenen Dienstes.

00:06:26: Dahinter stand aber nicht nur beruflicher Konkurrenzdruck, sondern auch ein sehr klares Bild davon wie Männer und Frauen in der Gesellschaft eigentlich leben sollten.

00:06:36: Besonders deutlich wird das in einer Stellungnahme des sogenannten Schrader-Verbandes einem Interessensverband von Kriminalbeamten der Weimarer Republik aus dem Jahr 1926.

00:06:45: dort heißt es Zitat "Er (Also der Schrader-Verband) ist der Meinung, dass von Natur aus dem Manne die Rolle zufällt außerhalb des Heimes erwerbstätig zu sein.

00:06:54: Dass aber die Naturbestimmung der Frau sie in das Haus mit der Aufgabe der Familienpflege verweist."

00:06:59: Mit anderen Worten – Der Mann gehört in den Beruf und die Frau in die Familie.

00:07:04: Und selbst wenn Frauen arbeiteten so der Verband weiter dann gäbe es dafür durchaus geeignetere Tätigkeiten.

00:07:10: Als Beispiel wird ausdrücklich die Arbeit als Stenotypistin also Schreibkraft genannt.

00:07:16: Andere argumentieren Frauen seien grundsätzlich ungeeignet sich mit bestimmten Themen der Kriminalpolizei zu beschäftigen, vor allem mit sogenannten Sittlichkeitsdelikten.

00:07:25: Denn – so hieß es damals wörtlich – Frauen würden durch die Beschäftigung mit dem "Schmutz menschlicher Sexualverwirrungen" ihre "sexuelle Reinheit" verlieren.

00:07:34: Heute wirken solche Aussagen absurd!

00:07:36: Aber sie zeigen sehr deutlich wie stark die Diskussion über Frauen in der Polizei damals von festen Geschlechterrollen geprägt war.

00:07:44: Die weibliche Kriminal-Polizei bleibt trotz der Kritik bestehen. Aber nur unter bestimmten Bedingungen.

00:07:49: Sie sollte helfen, aber nicht konkurrieren!

00:07:51: Sie sollte ergänzen – aber nicht führen.

00:07:54: Und genau deshalb blieb die WKP zunächst ein sehr spezieller Bereich innerhalb der Polizei.

00:07:59: Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verändert es sich auch die weibliche Polizei.

00:08:04: Die WKP wird in den nationalsozialistischen Polizeiapparat integriert.

00:08:09: Ihre Aufgaben verschieben sich - weg von sozialer Fürsorge und hin zur sogenannten "vorbeugenden Verbrechensbekämpfung".

00:08:16: In der Praxis bedeutet das zum Beispiel, dass Polizistinnen Daten über Kinder und Jugendliche sammeln oder Menschen erfassen die als "asozial" oder "gefährdet" gelten.

00:08:25: Diese Erfassung war Teil der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik und führte in vielen Fällen dazu, dass sie Betroffenen in Einrichtungen zwangseingewiesen, zwangssterilisiert oder in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert wurden.

00:08:39: Damit wird auch die WKP teil eines Systems, das Menschen überwacht, ausgrenzt, verfolgt und ermordet.

00:08:45: Nach 1945 werden nur sehr wenige Frauen aus diesem Umfeld tatsächlich zur Verantwortung gezogen.

00:08:51: Und dort, wo es zu Verurteilungen kommt zeigt sich etwas Auffälliges.

00:08:55: Häufig stehen nicht nur die Taten selbst im Mittelpunkt sondern auch die Frage ob diese Frauen gegen ihre "weibliche Natur" verstoßen hatten. Indem sie Gewalt ausübten, indem Sie Macht über andere Menschen hatten und sie auf extreme Weise ausnutzten. Indem sie also Rollen einnahmen, die eigentlich Männern zugeschrieben wurden.

00:09:13: Der Bruch mit diesen Geschlechtervorstellungen spielte in vielen Verfahren eine größere Rolle als die Taten selbst.

00:09:19: Die Rolle von Frauen im nationalsozialistischen Polizeiapparat ist deshalb ein eigenes, komplexes System und vielleicht auch eine neue Frage für diese Reihe.

00:09:28: Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwindet die weibliche Polizei nicht, im Gegenteil – die Alliierten bauen die WKP erneut auf und ihre Aufgaben bleiben weiterhin gleich!

00:09:37: Polizistinnen arbeiten vor allem mit Jugendlichen, Frauen und Kindern.

00:09:40: Sie führen Vernehmungen in Sittlichkeitsdelikten und körperliche Durchsuchung durch, und betreuen Opfer.

00:09:46: Das heißt auch jetzt bleibt die Struktur dieselbe – Frauen sind zwar Teil der Polizei aber in klar abgegrenzenen Bereichen.

00:09:53: Das bleibt in der Bundesrepublik so bis in die 1970er Jahre.

00:09:57: In der DDR werden Frauen dagegen schon seit den 1950er Jahren in die Volkspolizei integriert.

00:10:02: Allerdings arbeiten auch dort die meisten Polizistinnen lange vor allem in ähnlichen Aufgabenfeldern wie im Westen, etwa mit Jugendlichen oder in Sexualdelikten.

00:10:11: Erst in den späten 1970er Jahren beginnt sich die Situation in der DDR und der Bundesrepublik grundsätzlich zu verändern.

00:10:18: Voraus ging ein gesellschaftlicher Wandel in den Späten sechziger Jahren – Die Frauenbewegung forderte mehr Gleichberechtigung und stellte auch bisherige Rollenbilder infrage.

00:10:27: Auch die Polizei war davon nicht unberührt und gleichzeitig stand sie unter Druck.

00:10:31: Es fehlte Personal, und viele Bereiche sollten modernisiert werden.

00:10:35: In dieser Situation beginnt man also Frauen nach und nach für alle Bereiche der Polizeiarbeit zuzulassen.

00:10:41: Seit den späten siebziger Jahren werden Frauen deshalb in der Volkspolizei zunehmend auch im Streifen- und Ermittlungsdienst eingesetzt – und in der gleichen Zeit wird auch im Westen die weibliche Kriminalpolizei schrittweise aufgelöst.

00:10:52: Nicht weil man keine Frauen mehr brauchte, sondern weil die Idee entsteht dass Frauen nicht mehr in einer eigenen Einheit arbeiten sollten.

00:10:58: Sondern im regulären Polizeidienst.

00:11:00: Berlin setzt 1978 als erstes Bundesland Frauen in der Schutzpolizei ein.

00:11:06: andere Bundesländer folgen Manche schneller manche deutlich langsamer.

00:11:10: Bayern als Schlusslicht erst 1990.

00:11:13: Heute gehören Polizistinnen selbstverständlich zum Polizeialltag und gleichzeitig zeigt ein Blick auf die Zahlen, dass die Geschichte noch nicht abgeschlossen ist.

00:11:22: Noch um das Jahr zweitausend lag der Frauenanteil in der deutschen Polizei bei nur etwa zwanzig Prozent.

00:11:27: Allerdings ist er seitdem kontinuierlich gestiegen, auf heute etwa dreißig Prozent!

00:11:32: Das bedeutet, obwohl die Polizei weiterhin eine der männlichsten Institutionen im öffentlichen Dienst ist, ist sie heute trotzdem deutlich heterogene als noch vor wenigen Jahrzehnten.

00:11:41: und auch beim Nachwuchs setzt sich diese positive Entwicklung weiter fort.

00:11:45: Immer mehr Frauen entscheiden sich für den Polizeiberuf.

00:11:50: Das heißt, die Polizei verändert sich.

00:11:53: Sichtbar aber langsam!

00:11:56: Interessant ist auch wie sich diese Zahlen innerhalb der Organisation verändern?

00:12:00: Je höher man in der Hierarchie schaut, desto kleiner wird der Anteil von Frauen.

00:12:04: Frauen in den Führungspositionen der Polizei sind weiterhin stark unterrepräsentiert.

00:12:08: Mehr als neunzig Prozent dieser Stellen werden nämlich weiterhin von Männern besetzt und das obwohl Frauen in der Regel die besseren Studienabschlüsse machen.

00:12:16: Das zeigt, formale Gleichberechtigung bedeutet noch nicht automatisch gleiche Chancen im Alltag.

00:12:21: Viele Polizistinnen berichten außerdem bis heute von Benachteiligung, von strukturellen Hürden und auch ganz konkreten Erfahrungen mit Sexismus und sexueller Belästigung im Dienst.

00:12:32: Diese Erfahrungen sind kein Zufall – sie stehen in einer langen Geschichte von Sexismus innerhalb der Polizei!

00:12:39: Und in langer Tradition von Vorstellungen männlicher Kollegen die über Jahrzehnte geprägt haben welche Aufgaben Frauen übernehmen durften, welche Positionen ihnen zugetraut wurden und welche eben nicht….

00:12:51: Gleichzeitig ist das, was wir heute sehen auch eine Erfolgsgeschichte.

00:12:55: Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Frauen in der Polizei Ausnahmen eingesetzt in eng begrenzten Aufgabenfeldern nicht gleichgestellt oft nicht immer als vollwertige Polizeibeamtinnen anerkannt Das Frauen heute selbstverständlich Teil der Polizei sind,

00:13:08: ist deshalb keine Entwicklung die einfach so passiert ist.

00:13:11: Sie ist das Ergebnis von gesamtgesellschaftlichen und auch innerpolizeilichen Auseinandersetzungen. Von Widerständen und von starken Frauen, die sich davon nicht haben aufhalten lassen.

00:13:22: Frauen, die geblieben sind, die sich mutig durchgesetzt haben und die Veränderungen angestoßen haben, von denen andere nach ihnen profitieren

00:13:29: konnten.

00:13:31: Die Geschichte der Polizistinnen zeigt deshalb zweierlei – dass Vorstellungen darüber für welche Aufgabenbereiche in der Polizei Frauen angeblich besonders geeignet sind und für welche angebliche nicht leider oft erstaunlich langlebig sind!

00:13:44: und dass sie sich trotzdem überwinden lassen, wenn man sich ihnen aktiv entgegen stellt, Chancen ermöglicht und Haltung zeigt.

00:13:55: Das war ein Beitrag aus der Reihe Fragen an die Polizeigeschichte – einem Poster- und Podcastprojekt des Fachgebiets 1.6, Polizeigeschichte und politische Bildung der DHPol.

00:14:05: Plakate, Redaktion und Text, Gundula Gahlen, Doris Kock und Pauline van Moll Sprecherin und Produktion, Pauline van Moll.

00:14:13: Erscheinungsdatum April 2026.

00:14:16: Vielen Dank fürs Zuhören.

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